Initiativen

Bauen und Wohnen im Bestand

Freiburg: Wohnen und Arbeiten "Im Grün"

Eine ehemals als Parkplatz genutzte Baulücke in einem gründerzeitlich geprägten,zentrumsnahen Stadtviertel Freiburgs wurde mit einem neuen Gebäude geschlossen, das sich selbstverständlich und unaufdringlich in die urbane Atmosphäre der Umgebung einfügt und zukunftsweisend Wohnen und Dienstleistung im urbanen Raum verbindet.

Anerkennung des Landeswettbewerbs Bauen und Wohnen im Bestand

Zusammenfassung

Eine Baulücke im zentrumsnahen Freiburger Stadtviertel „Im Grün“, früher als Parkplatz genutzt, wurde durch eine neue Blockrandbebauung geschlossen. Mit einer Mischung aus Wohn- und Büroflächen sollte modernen Wohnbedürfnissen Rechnung getragen werden, ohne die gewachsenen Strukturen des historischen Stadtgefüges zu zerstören. Gestaltungsmerkmale der umliegenden Gebäude wurden übernommen und zeitgemäß interpretiert. Die ehemaligen Lager- und Werkstattgebäude um den Innenhof werden von den Neubauten in ihrer Kubatur wieder aufgenommen und orientieren sich wie einst an den Grenzen der Parzelle.

Ausgangslage

Das zentrumsnahe Stadtviertel war im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert geprägt von kleinen Industriebetrieben und Handwerksfirmen, deren Werkstätten oft in den Hinterhöfen angesiedelt waren. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich das Stadtviertel zu einem bevorzugten Wohngebiet. 1979 wurde das Viertel von der Stadt Freiburg zum Sanierungsgebiet erklärt, viele Häuser wurden abgerissen und durch neue Wohneinheiten ersetzt. Heute präsentiert sich das „Grün“ als geschlossene Einheit aus historischer und moderner Architektur, die von allen Bevölkerungsschichten und Generationen bewohnt wird. Gerade in den neueren Bauten wurde darauf geachtet, auch gewerbliche Räume zu schaffen.

In der „Im Grün“ liegenden Gretherstraße galt es, eine Baulücke im Blockrand zu schließen, die vordem als Parkplatz genutzt wurde. Dem städtischen Umfeld entsprechend stellte sich das Blockinnere als typisches Konglomerat aus kleinteiligen, banalen Zweckbauten mit Gewerbenutzung dar, wie es noch vor einiger Zeit selbstverständlich war - Kleinhandwerker, Werkstätten, Lagerräume, in der Nachbarschaft einer ehemaligen, bleiverarbeitenden Fabrikanlage.

Massnahmen

Die Gesamtplanung stand im Zeichen der Schaffung attraktiver Wohn- und Büroflächen, verfolgte dabei konsequent den Gedanken einer Integration von Wohnen und Arbeiten und trugt damit vorbildhaft dem Trend einer Reurbanisierung der Wohnbedürfnisse Rechnung, ohne die gewachsenen Strukturen des historischen Stadtgefüges zu zerstören. Grundidee der Neubebauung war es, einerseits die vorgefundene heterogene Situation zu respektieren, sie andererseits aber den Zusammenhängen aktueller innerstädtischer Wandlungsprozesse anzupassen.

Die Fassade schließt die Baulücke selbstverständlich und klar, ohne spektakuläre Gesten zu bemühen. Die Horizontalen der Nachbarn werden aufgenommen und in zeitgemäßer Sprache weitergeführt. Ein Kanon aus Glas und Holz schafft ein ebenso modernes wie angepasstes Ambiente. Die für das ganze Viertel typischen Toreinfahrten zur Erschließung der rückwärtigen Werkstätten wurden bei der Fassadengestaltung erneut aufgegriffen. Ein Stahlgittertor wirkt hier als Reminiszenz an die Tradition der schmiedeeisernen Einfahrtstore. Wie selbstverständlich entwickelte sich dahinter die Eingangssituation zu Vorderhaus und rückwärtigem Hofbereich. Auch die Einfahrt zur Tiefgarage ließ sich hier unaufdringlich integrieren. Die Sichtbeziehung in den attraktiven, gepflasterten Hofbereich bleibt von der Straße aus vollkommen offen.

Die ehemaligen Lager- und Werkstattgebäude um den Innenhof wurden von den Neubauten in ihrer Kubatur wieder aufgenommen; Sie orientieren sich wie einst an den Grenzen der Parzelle. Flach legt sich ein Verbindungsriegel zum zweigeschossigen Hinterhaus und erhält die wertvollen Sichtbeziehungen des Blockinneren dadurch unverstellt. Insgesamt wurde durch die schlichte, moderne Sprache und die transparente Vollverglasung der Neubauten, die den Innenhof dreiseitig umschließen, eine schlichte Rahmung des Innenhofes geschaffen. Der sich dominant in die Hoffläche vorschiebende alte Werkstattbau, ein interessanter Vertreter des ausgehenden 19. Jahrhunderts, wurde aufgewertet, indem er durch die umfassenden, flacheren Neubauten quasi in ein Passepartout gesetzt wird.