Initiativen

Bauen und Wohnen im Bestand

Tuttlingen: Hochschulcampus

In kürzester Zeit realisierte die Stadt Tuttlingen einen Hochschulcampus für eine Außenstelle der Fakultät Industrial Technologies der Hochschule Furtwangen. Kernstück war ein historisches Fabrikgebäude aus dem Jahr 1897, das saniert und baulich ergänzt wurde. Die hochwertigen Außenflächen tragen zur Aufwertung des umliegenden Quartiers und der Durchwegung der Stadt bei.

Zusammenfassung

In Tuttlingen entstand zum Wintersemester 2009/2010 mit der Fakultät für Industrial Technologies eine Außenstelle der Hochschule Furtwangen. Zu diesem Zweck wurde ein leerstehendes historisches Fabrikgebäude aus dem Jahr 1897 saniert und umgenutzt. Gleichzeitig sollte das Umfeld des neuen Campus eine Aufwertung erfahren, was durch die Festlegung des umliegenden Quartiers als förmliches Sanierungsgebiet auf den Weg gebracht wurde. Großer Wert wurde bei der Gestaltung der Außenbereiche auf eine hohe Aufenthaltsqualität gelegt. Die Verzahnung des Campus mit der Oberen Vorstadt erfolgt durch eine attraktive neue Wegeverbindung.

Ausgangslage

Die Stadt Tuttlingen hatte sich gemeinsam mit dem Landkreis und der örtlichen Industrie um die Zulassung als Hochschulstandort beworben. Im Dezember 2007 beschloss der Ministerrat, in Tuttlingen eine Außenstelle der Hochschule Furtwangen zum Wintersemester 2009/2010 einzurichten. Die Hochschule Furtwangen plante, am Standort Tuttlingen zunächst für je 35 Studienanfänger die Studiengänge Medizintechnik, Feingerätetechnik/ Mechatronik sowie Fertigungstechnik anzubieten. Anlässlich der Betriebsverlagerung einer Medizintechnikfirma konnte die Stadt Tuttlingen deren ehemaliges Firmengebäude in innerstädtischer Lage, direkt am Zentralen Omnibusbahnhof der Stadt gelegen, erwerben und für eine Hochschulnutzung umbauen.

Zur Aufwertung des Hochschulumfeldes wurde noch im Dezember 2007 der Beschluss über die Vorbereitenden Untersuchungen für das Gebiet „Obere Vorstadt“ mit einer Fläche von 3,17 Hektar gefasst. Mit förmlicher Festlegung vom September 2008 wurde das Gebiet deutlich erweitert („Obere Vorstadt / Uhlandstraße“, 11,86 Hektar) und umfasste damit auch die zur Zwischennutzung durch die Hochschule vorgesehene ehemalige Ludwig-Uhland-Realschule, weitere Wohnbereiche und öffentliche Parkanlagen, die Zug um Zug ebenfalls saniert werden sollten.

Ein weiteres Planungsziel war die Schaffung einer öffentlichen Wegeverbindung zwischen dem öffentlichen Park am Alten Friedhof, dem ZOB und der Innenstadt. Angelpunkt dieser Verbindung sollte der zukünftige Hochschulcampus sein, den es im ungeordnete, rückwärtigen Quartiersinnenbereich des Areals als öffentlichen Platz zu entwickeln galt. Der Innenbereich war bis dahin von sanierungsbedürftigen Nebengebäuden und ungünstigen Zuschnitten privater Wohngrundstücke geprägt.

Massnahmen

In nur neunmonatiger Bauzeit ist aus dem historischen Fabrikgebäude von 1897 sowie einem Anbau aus den 1950er Jahren ein neues Ensemble mit zeitgemäßem Gesamtkonzept für den Hochschulstandort entstanden. Der Klinkerbau des Fabrikgebäudes sowie sein Anbau wurden umfassend umgebaut und saniert. Sie schließen die typische Blockrandbebauung nach Süden ab und dominieren die Hochschule zur Straße.

Die Haupterschließung erfolgt aus dem Blockinneren über den Neubau, der sich mit seiner klar gegliederten Betonfassade vor die Klinkerfassade des Bestands legt. Die ehemalige Außenfassade wird so zur Innenfassade. Neben der Entsorgung von Bodenaltlasten aus der industriellen Vornutzung wurde eine deutliche Verbesserung der energetischen Eigenschaften des Gebäudebestandes durch Sanierung der Fassade gemäß aktuellem Wärmedämmstandard erreicht.

Um den im Blockinneren gelegenen Campus auch als solchen zu nutzen und das geplante neue Wegekonzept verwirklichen zu können, war der Grunderwerb und Rückbau zweier Wohngebäude erforderlich. Auch ein Gebäudeteil des ehemaligen Firmengebäudes und weitere Nebengebäude wurde abgebrochen. Im Wege des Sanierungsgebiets wurde so ein Außenbereich mit hoher Aufenthaltsqualität geschaffen, der zugleich als zentraler Teil der Verbindungsachse zwischen Innenstadt und öffentlichem Park fungierte. Die Hochschule und ihr Campus strahlten strahlten über die Sanierung und Durchwegung des Quartiers weit über ihre Nachbarschaft hinaus und stellen heute in vielfacher Hinsicht einen Zugewinn für die ganze Stadt dar.