Initiativen

Bauen und Wohnen im Bestand

Ulm: Stadtregal

Die Umnutzung des ehemaligen Produktionsstandorts der Firma Magirus-Deutz belegt die hervorragenden Entwicklungsmöglichkeiten ehemaliger Industriebrachen. Die rund 250 m lange ehemalige Fertigungshalle wurde mit einer individuell zugeschnittenen Nutzungsmischung aus Wohnen, Dienstleistung, Bildung, Kultur und Freizeit belegt und in einen aufgewerteten öffentlichen Freiraum eingebettet.

Preisträger des Landeswettbewerbs Bauen und Wohnen im Bestand

Zusammenfassung

Durch die Revitalisierung eines Fabrikgebäudes aus den 1960er Jahren in einem Ulmer Gewerbegebiet konnte Raum für innerstädtisches Wohnen und attraktive Arbeitsplätze sowie ein Rahmen für Kultur und Freizeit geschaffen werden. Das rund 250 Meter lange Industriebauwerk und die umliegenden Freiflächen des Gebiets wurden in mehreren Bauabschnitten reaktiviert. Im Verlauf dieser Maßnahme wurde der Komplex einer wiederbelebenden Mischnutzung aus Dienstleistung in den unteren Geschossen und darüberliegenden Loftwohnungen zugeführt. Die charakteristische Industriearchitektur blieb dabei gestalterisch tonangebend. Der Außenraum zwischen dem Stadtregal und dem Fluss Blau wurde renaturiert und Teil des innerstädtischen Grünraums.

Ausgangslage und Massnahmen

Zentrale Aufgabe war es, eine große, das umgebende Quartier bestimmende und brach gefallene Fläche einschließlich des darauf befindlichen Gebäudekomplexes einer neuen urbanen Nutzung zuzuführen. Neben der baulichen Umnutzung des Fabrikgebäudes aus den 1960er Jahren zum "Stadtregal" war auch eine Speditionshalle aus dem Jahr 2000 in die Konzeption miteinzubeziehen.

Ein weiteres, wesentliches Ziel war die Freimachung der Blau und ihre Aufwertung hin zum innerstädtischen und für die Öffentlichkeit zugänglichen Grünzug. Zudem sollten durch Entsiegelung und Begrünung die Freiraumqualität des vormals vollständig versiegelten und nicht bepflanzten Grundstücks erheblich aufgewertet und Dachflächen, soweit möglich, begrünt werden. Ein neues Wegesystem sollte das das Areal für die Allgemeinheit durchgängig machen und erschließen.

Das Stadtregal als zentrales und das Areal dominierendes Gebäude wurde für verschiedenste Nutzungen umgenutzt, die umliegenden Grundstücke nach Beseitigung der Altlasten mit Gebäuden für Dienstleistungen und Handel neu bebaut. Im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen wurden die Erschließungen und die öffentlichen Freiflächen attraktiv gestaltet. Der Einbau von Lofts im alten Fabrikationsgebäude bietet hervorragende Wohn- und Arbeitsqualitäten. Durch die erreichte Nutzungsmischung im Stadtregal, aber auch in den umgebenden Gebäuden ist eine gesunde und dauerhaft funktionierende Nutzungsmischung entstanden.

Bei der Vermarktung des Stadtregals spielte die Größe und die Struktur des 250 Meter langen, 30 Meter tiefen und ca. 25 Meter hohen Fabrikgebäudes eine wichtige Rolle. Ein solches Vorhaben war in Ulm weitestgehend einzigartig, was die Art der Flächen (Lofts) und deren Nutzung (alles ist möglich) angeht. Dies spiegelte sich auch in einer raschen Umsetzung der einzelnen Bauabschnitte wieder, was zu Beginn der Sanierungsmaßnahme so nicht erwartet wurde. Jedes Jahr wurde ein Bauabschnitt fertiggestellt.

Zu den ökologischen Aspekten, die neben der Reaktivierung von vorhandener Bausubstanz berücksichtigt werden konnten, zählen der Einsatz von Fernwärme zur Beheizung der Gebäude aus dem benachbarten Biomassekraftwerk, die Kühlung von Produktionsanlagen über das Wasser der Blau und die Einhaltung der ENEV auch bei den Bestandsgebäuden.

Wirkung

Das Gesamtvorhaben markierte den westlichen Abschluss der umfangreichen Weststadtsanierung der Stadt Ulm dar. Das Stadtregal strahlte schon zu Beginn der Maßnahmen in das weitere städtische Umfeld aus, das mit zahlreichen neuen Vorhaben im gewerblichen und Wohnungsbau einen drastischen Wandel erfuhr. Einst eine städtische Rückseite, entwickelte sich das Quartier rund um das Stadtregal zu einer gefragten Lage für urbanes Wohnen und modernes Arbeiten. Das Stadtregal selber dient als beispielhaftes Vorbild für die Umnutzung weiterer ehemaliger Produktionsanlagen im innerstädtischen Bereich, die es in der alten Industriestadt Ulm reichlich gibt.