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Stuttgart: Travertinpark

Alter Steinbruch wird zum innerstädtischen Park – postindustrielle Landschaft zum Natur- und Erholungsraum.

Ausgangslage und Probleme

Auf einer Fläche von 7,5 Hektar erstreckte sich in Stuttgart-Bad Cannstatt ein Steinbruch, der heute nicht mehr genutzt wird. Die Schichten des Travertin stellen dabei aus geologischer Sicht, als historische Fundstätte und im ökologischen Sinn eine Besonderheit dar. Das unzugängliche Gelände des Steinbruchs bildete im städtischen Raum eine Barriere. Gleichzeitig bestand im Stadtteil Hallschlag ein Mangel an Freiflächen mit Naherholungsqualität.

Lösungsansatz und Maßnahmen

Um den Ort der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und einen innerstädtischen Freiraum zu schaffen, wurde ein Gestaltungskonzept erstellt. Wichtiges Ziel war die Bewahrung des speziellen Charakters des ehemaligen Steinbruchs, der in erster Linie durch das Erscheinungsbild des Travertins geprägt ist. Ein Naturerlebnisraum sollte vorhandene industrielle Elemente aufgreifen, sie inszenieren und einbinden, aber auch neue Nutzungsmöglichkeiten integrieren.

Zunächst wurde der Erhalt von Gleistrassen und Maschinenteilen aus der industriellen Geschichte gesichert. Sie wurden in die Gestaltung der Freianlage einbezogen. Entlang eines ausgewiesenen Rundweges wurden Informationsstafeln installiert, um die Geschichte des Ortes zu dokumentieren. Auf der Grundlage einer artenschutzfachlichen Bewertung des Lebensraums beheimateter Mauer- und Zauneidechsen wurden bei den Baumaßnahmen entsprechende Auflagen berücksichtigt. Auch die Parkgestaltung wird auf eine Verträglichkeit mit dem Lebensraum der Tiere ausgerichtet.

Ein Geh- und Radweg sowie eine Treppenanlage wurden realisiert, um die angrenzenden Stadtteile miteinander zu verbinden. Der Radweg wurde mit einer in Stuttgart neuartigen, bedarfsgesteuerten Beleuchtung hergestellt, die die geschützten Eidechsenarten schont. Neben der Erschließung und dem Erhalt des Areals verfolgte das Gestaltungskonzept insbesondere ökologische Aspekte. Für neue Anpflanzungen wurden gebietsheimische Arten verwendet.

Wirkung und Ausblick

Der Travertinpark vermittelt die Historie seines Ortes auf umweltgerechte Weise und schafft einen besonderen Erlebnisraum in der Stadt. Die Anlage trägt beispielhaft zur Verbesserung der Lebensqualität im Stadtteil bei und ist zudem eine Aufwertung für das angrenzende Wohnquartier, dessen Image als vormals sozialer Brennpunkt sich verändert. Der vollzogene Wandel von der industriellen Anlage zu einem innerstädtischen Park ist ein besonderer Beitrag zur Verbesserung der Stadtökologie. Der intensive Beteiligungsprozess hat sich positiv auf die Identifikation der Anwohnerschaft mit ihrer Nachbarschaft ausgewirkt und ein Bewusstsein für das natürliche Umfeld geschaffen.

Bis 2014 wurden weitere Gestaltungsmaßnahmen im Travertinpark umgesetzt. So wurden ein mit Regenwasser gespeister Naturteich zu einem Naturbiotop entwickelt, der Pflanz- und Tierhabitate gegen unbefugtes Betreten sichert. Ein Sonnenplateau ermöglicht den Ausblick auf den Steinbruch, die alten Fabrikhallen und das Neckartal.