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Böhmenkirch: Neue Ortsmitte

Mit hoher städtebaulicher Qualität und intensiver Bürgerbeteiligung hat sich eine kleine Gemeinde eine lebendige Mitte geschaffen.

Ausgangslage und Probleme

Bereits Mitte der 1990er Jahre war vorgesehen, das damals rund 110 Jahre alte und bereits marode Rathaus in der Ortsmitte von Böhmenkirch bürgerfreundlich umzubauen. Die Planungen scheiterten aber an den Kosten. Im Jahr 2001 ergriff die Gemeinde die einmalige Gelegenheit, das Areal einer ehemaligen Brauerei und Gaststätte in der Ortsmitte im Insolvenzverfahren zu erwerben. Das Brauereiareal in prominenter Lage war zuvor dem Verfall preisgegeben, während Böhmenkirch einer identitätsstiftende zentrale Mitte dringend benötigte. Eine Bürgerumfrage zeigte, dass ein Café/ Bistro auf der Wunschliste ganz oben stand, ebenso eine Gemeindebibliothek.

Lösungsansatz und Maßnahmen

Durch weitere Grunderwerbe standen bald alle Schlüsselgrundstücke in der Ortsmitte im Eigentum der Gemeinde, und die Idee einer „Neuen Ortsmitte“ auf der rund 5.000 m² großen Fläche wurde geboren. Der Gemeinderat rief im Jahr 2002 einen Architektenwettbewerb mit städtebaulichem Ideenteil für die Ortsmitte ins Leben. Der preisgekrönte Entwurf sah einen teilweisen Abbruch auf dem Brauereiareal, einen Neubau für das Rathaus sowie ein Wohn- und Geschäftshaus vor. Das alte Rathaus sollte erhalten bleiben.

Die Bürger wurden durch Bürgerversammlungen und Befragungen über das Internet intensiv eingebunden. Die Planungen stießen in der Bevölkerung auf breite Zustimmung. Die Bürger wollten eine belebte Mitte, in der die wichtigsten Infrastruktureinrichtungen der Gemeinde konzentriert sind.

Im Einzelnen wurden ab 2003 realisiert: Rathausneubau mit Tiefgarage, großzügiger Marktplatz, auf dem seither die Märkte und Feste stattfinden, sowie Einbau einer Bibliothek und eines Cafés/ Bistros in der Scheuer der alten Brauereiwirtschaft. Unmittelbar am Marktplatz wurde ein Wohn- und Geschäftshaus mit sechs seniorengerechten Wohnungen und einer neuen Geschäftsstelle der Kreissparkasse gebaut. Das alte Rathaus wird vom örtlichen Polizeiposten, den Vereinen, der Feuerwehr, der Musikschule sowie der Volkshochschule genutzt. Alle Gebäude in der Ortsmitte werden mit Nahwärme aus einer innovativen, klimafreundlichen Holzhackschnitzelanlage der Gemeinde versorgt.

Wirkung und Ausblick

Die Ortsmitte hat durch die Bündelung von Funktionen eine deutliche Belebung erfahren und ist wieder tatsächlicher Mittelpunkt. Das Wohnen in der Ortsmitte ist attraktiver geworden. Die Investitionen der Gemeinde wirkten als Initialzündung, viele Hauseigentümer fingen nach und nach an, ihre Häuser zu sanieren. Die zentralen Gebäude befinden sich indes im Eigentum der Gemeinde, so dass deren öffentliche Nutzung gesichert ist. Die Gemeinde erhofft sich weitere private Maßnahmen in der Ortsmitte und möchte diese mit öffentlichen Mitteln unterstützen.