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Stuttgart-Rot: Hans-Scharoun-Platz

Rechtzeitige Reaktion auf drohenden Verlust der Nahversorgung und Neuplanung eines Zentrums versprechen eine erhebliche Aufwertung des Stadtteils.

Ausgangslage und Probleme

Stuttgart-Rot ist geprägt von der Nachkriegszeit, als der Stadtteil in kurzer Zeit und mit geringen Mitteln für Kriegsflüchtlinge entstand. Heute sind unter den 10.000 Einwohnern über 50 Nationalitäten vertreten.

Die Herausforderungen, vor denen Rot heute steht, sind typisch für Siedlungen mit dieser Geschichte und Struktur: Abwanderung der jungen Generation und von Familien, schlechtes Image außerhalb des Stadtteils, einseitiges Wohnungsangebot und wenig Aufenthaltsqualität des Wohnumfelds. Rot wurde von den Fahrgästen der durchquerenden Stadtbahn nicht als eigener Stadtteil wahrgenommen, hatte keine Mitte und kein „Gesicht“. Wegen Platzmangels drohte schließlich auch noch die Schließung eines Lebensmittelmarkts.

Lösungsansatz und Maßnahmen

Am Fuße eines Hochhauses wurde anstelle eines öffentlichen Parkplatzes ein neuer Platz als Treffpunkt für die Bevölkerung und neue Stadtteilmitte angelegt. Dafür wurden auch zwei bestehende Gebäude abgerissen. Der Platz liegt unmittelbar an der Hauptstraße sowie einer Stadtbahnhaltestelle und ein Gegenüber zum jenseits der Straße liegenden neuen Bürgerhaus bilden. Der Platzrand wurde mit Gewerbeflächen, einer Tiefgarage und rund 50 Wohnungen neu bebaut. Die Einzelmaßnahmen fußten dabei auf der Beteiligung der Anwohner:

  • 2003 – 2006: Ermittlung von Standort und Bedarf einer neuen Mitte mit intensiver Bürgerbeteiligung.
  • 2005: Einzelhandelsgutachten mit der Empfehlung zur Bildung eines Zentrums, Studentenentwurf (dadurch öffentliche Aufmerksamkeit und Aufzeigen der Möglichkeiten).
  • 2006: Mit einer Wohnungsbaugesellschaft wird frühzeitig ein Investor für die Platzrandbebauung gefunden.
  • 2006 – 2007: Gutachterverfahren.
  • 2007: Grundstückserwerb und Namensgebung.
  • 2008 – 2009: Bebauungsplan der Innenentwicklung.

Wirkung und Ausblick

Der neue Hans-Scharoun-Platz vermittelt zwischen den Hochhäusern im Westen und der Zeilenbebauung im Osten. Durch die Anordnung von Platz und Randbebauung entsteht ein deutlicher Sicht- und Wegebezug zum etwas abseits liegenden Bürgerhaus Rot. Der bestehende Lebensmittelmarkt konnte am Standort gehalten und damit eine umfassende, fußläufig erreichbare Nahversorgung gesichert werden. Durch die Randbebauung ist urbanes Leben zu erschwinglichen Kosten möglich.

Mit der Benennung nach dem berühmten Architekten wird das Potenzial des benachbarten denkmalgeschützten Hochhausensembles „Romeo und Julia“ als identitätsbildendes Element aufgegriffen. Hans Scharoun wurde zur Symbolfigur der Aufbruchsstimmung bei der Entstehung von Rot und zum positiven Imagefaktor des Stadtteils. Es entstand eine neue Mitte für den Stadtteil.