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Ulm: Neue Mitte

Mit intelligenten Verkehrskonzepten und hochwertiger Gestaltung wurde lebendiger und belebter Stadtraum gewonnen.

Ausgangslage und Probleme

Der Bereich der heutigen Neuen Straße war bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg mit mittelalterlichen Wohn- und Geschäftshäusern dicht bebaut. Im Zuge des Wiederaufbaus wurde die Ost-West-Querung der Stadt als vier- bis sechsspurige Verkehrsschneise in den alten Stadtgrundriss geschlagen.

Mit fast 33.000 Fahrzeugen pro Tag war die Neue Straße enorm belastet und zerschnitt die historische Innenstadt in zwei Teile. Zwischen der nördlichen Altstadt und dem Grünraum der Donau war die Trennung durch lärmenden Verkehr und parkende Autos deutlich spürbar.

Lösungsansatz und Maßnahmen

  • 1975: Gemeinderatsbeschluss über ein Innenstadtkonzept, das eine Verkehrsreduzierung der Neuen Straße vorsah.
  • 1977: Architektenwettbewerb: Die Idee einer Untertunnelung wurde aus Kostengründen nicht weiterverfolgt.
  • 1990: Beschluss über den Bau eines Tunnels mit Tiefgarage. Das Projekt scheitert aufgrund eines Bürgerentscheids.
  • 1995: Gemeinsamer Beschluss mit Neu-Ulm über einen Verkehrsentwicklungsplan, u.a. mit dem Ziel eines Rückbaus der Neuen Straße.

Die Bürgerschaft sollte frühzeitig in den Entscheidungsfindungsprozess eingebunden werden. Ab 1995 wurden im Rahmen des "Innenstadtforum Zukunft Neue Straße" in mehreren öffentlichen Veranstaltungen Möglichkeiten und Chancen diskutiert. Ausgehend vom Verkehrsentwicklungsplan fand unter Einbeziehung der Öffentlichkeit ein städtebaulicher Wettbewerb statt. Auf Basis des 1. Preises wurden im Jahr 2000 ein Rahmenplan und darauffolgend ein Bebauungsplan erarbeitet. Auch während der Realisierung gab es eine intensive Öffentlichkeitsarbeit: Infobox, tägliche Sprechstunden durch Mitarbeiter der Verwaltung etc..

Ab 2002 wurden im Einzelnen realisiert: Rückbau der Neuen Straße von sechs auf zwei Fahrspuren mit Stadtplatz und integrierten Bushaltestellen, "Münstertor" mit Markenkaufhaus, "Rathausarkaden" als Geschäftsgebäude, Kunsthalle Weishaupt, Tiefgarage mit 600 Stellplätzen als erweiterter Stadtraum unter dem Straßenniveau mit integrierten archäologischen Grabungen.
 

Wirkung und Ausblick

Die "Neue Mitte Ulm" zeigt, wie zwei Jahrzehnte lange, letztlich gescheiterte, planerische Bemühungen durch einen intensiven öffentlichen Diskurs zu einem Ergebnis gebracht werden können. Durch den großzügigen Fußgängerbereich und die hochwertige Bebauung wurde ein lebendiger Stadtraum mit hoher Aufenthaltsqualität geschaffen. Die Zweiteilung der Altstadt wurde aufgehoben und bedeutende innerstädtische Plätze von parkenden Autos befreit.

Das Gesicht der Neuen Straße wandelt sich und eine Belebung der Innenstadt ist deutlich spürbar. Nach Abschluss des Projektes entstanden bereits neue private Bauvorhaben. Durch die Schaffung von Baurecht, die Durchführung von Gutachterverfahren und Wettbewerben wird das Erreichte sowie die Qualität künftiger Bebauung gesichert.