Städtebau

Stärkung der Zentren

Esslingen: Zollberg

Der Esslinger Stadtteil Zollberg wurde ab dem Jahr 1956 innerhalb nur weniger Jahre aufgesiedelt. Zur Jahrtausendwende lancierte die Stadt einen umfassenden Erneuerungsprozess, der die Infrastruktur der Nachkriegssiedlung erneuern und dem Stadtteil damit mehr Lebensqualität verleihen sollte.

Als typischer Vertreter des Leitbildes der „gegliederten und aufgelockerten Stadt“ der 1950er und 1960er Jahre litt der Stadtteil mit seinen etwa 5.000 Einwohnern in späteren Jahrzehnten unter zahlreichen Problemen. Der Altersaufbau der Einwohnerschaft und die Haushaltsstruktur haben sich verändert, der Stadtteil entsprach nicht mehr den Bedürfnissen der Bewohner. Die Wohnungszuschnitte waren für jüngere Menschen nicht attraktiv. Auch die Verkaufsflächen des Einzelhandels waren überholt. Zudem belastete ein hoher Motorisierungsgrad den schwach ausgebildeten öffentlichen Raum.

Auf Grundlage der Studie „Der Alterungsprozess von Nachkriegssiedlungen und seine Umsteuerung in einem Prozess nachhaltiger Entwicklung“ begann die Esslinger Stadtplanung im Jahr 2001, die städtebaulichen Missstände anzugehen und den Stadtteil neu aufzustellen. Rund ein Drittel des bisherigen Zollernplatzes wurde durch ein Stadtteilgesundheitszentrum und einen Supermarkt überbaut. Damit wurde langfristig die grundlegende Nahversorgung gesichert. Vor dem Einkaufsmarkt entstand ein multifunktionaler Platz mit Sitzgelegenheiten und einem gehfreundlichen Betonbelag. Der westliche Teil wurde ein frei belassener Platz mit Grünflächen und hoher Aufenthaltsqualität.

Mit einer Investition von fast 10 Mio. Euro schufen die Stadt und ihr Eigenbetrieb Esslinger Wohnungsbau GmbH an dieser Stelle eine identitätsstiftende Mitte mit hoher Aufenthaltsqualität und dadurch ein neues Stadtteilzentrum. Ein Lebensmittelmarkt, eine Apotheke, Arzt- und Physiotherapiepraxen, eine Tagespflegeeinrichtung sowie Mietwohnungen mit Betreuungsangeboten für Ältere fanden hier eine neue Heimat.

Von Beginn an waren die Planungen offen für den Bürgerausschuss „Zollberg“ und weitere Anwohner im Quartier. Ein städtebaulicher Wettbewerb sorgte für eine Auswahl unter mehreren Gestaltungsvorschlägen. Zwar erwies sich die kleinteilige Eigentumsstruktur im Quartier als nachteilig, um Veränderungen zügig und großräumig durchzuführen, doch konnten aufwendige Einigungsprozesse mit vielen Besitzern von Eigentumswohnungen vermieden werden.

Auf städtischem Grund konnte eine verträgliche Nachverdichtung und damit eine Auffrischung des Gebäudebestands realisiert werden. Die zurückhaltende Ausweisung neuer Verkaufsflächen in der Stadt schuf Vertrauen der Investoren und Supermarktbetreiber in die Kommunalpolitik und erleichterte ihr Engagement an diesem einst schwierigen Standort. Seit dem 21. Juli 2012 hat der Zollberg seine neue Stadtteilmitte.

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