Initiativen

Bauen und Wohnen im Bestand

Esslingen: Stadtteilzentrum Pliensauvorstadt

Nach langjährigen Anstrengungen konnte die Stadt Esslingen die Wohn- und Lebenssituation in der Pliensauvorstadt am Neckar erheblich verbessern. Das mit städtebaulichen und sozialen belastete Viertel wurde in enger Zusammenarbeit mit Bewohnern und weiteren lokalen Akteuren, Institutionen und Unternehmen zukunftsfest gemacht, mit einem Bürgerhaus sowie neuen Einrichtungen für Jung und Alt.

Preisträger des Landeswettbewerbs Bauen und Wohnen im Bestand

Zusammenfassung

Das neue Zentrum des Esslinger Stadtteils Pliensauvorstadt stellt eine erfolgreiche städtebauliche Wiederbelebung einer ehemaligen Gewerbebrache dar. Das Projekt wurde in einem dialogorientierten Prozess umgesetzt und zeichnet sich durch ein vielfältiges Nutzungskonzept aus. Enthalten sind unter anderem ein Mehrgenerationen- und Bürgerhaus, ein Pflegeheim, mehrere Wohn- und Geschäftshäuser sowie ein Quartiersplatz. Insbesondere durch die Integration historischer Relikte wurde die Identifikation der Bewohner mit ihrem Stadtteil unterstützt.

Bestandsaufnahme und Massnahmen

Der Stadtteil Pliensauvorstadt entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die beginnende Industrialisierung die Erweiterung der Stadt Esslingen erforderte. Anfang der 1990er Jahre jedoch begann der Stadtteil aufgrund verschiedener Entwicklungen (z.B. Rückgang der Industrie) einen tiefgreifenden Strukturwandel zu durchlaufen. Das Hauptziel war es nun, am Stadteingang die fehlende Stadtmitte für den Stadtteil herzustellen.

In einem ersten Schritt entstanden in der alten Halle der Fa. Bohner+Köhle daraufhin ein Mehrgenerationen- und Bürgerhaus – eng vernetzt mit allen umliegenden Einrichtungen – und eine dreigruppige Kindertagesstätte mit 60 Plätzen. Im Obergeschoss des Bürgerhauses fand die Erziehungshilfestelle des Landkreises ihren Platz.

Durch die Kooperation mit dem Pflegeheim der so genannten 4. Generation (Hausgemeinschaften in familienähnlichen räumlichen und organisatorischen Einheiten) konnte ein Café mit Mittagstisch realisiert werden. Direkt neben dem Pflegeheim wurden betreute Seniorenwohnungen sowie ein Wohn- und Geschäftshaus errichtet. An der Stuttgarter Straße entstanden Praxen im EG und 1. OG sowie Wohnungen für Alleinerziehende, betreut durch den Sozialdienst katholischer Frauen.

Die Entscheidung eines privaten, sozial engagierten Investors, in der Weilstraße/Brückenstraße 21 Wohneinheiten sowie zwei Gewerbeeinheiten zu errichten, rundete das Ganze ab. Ein bereits ansässiger, nicht filialgebundener Lebensmitteleinzelhandel erfuhr durch die ergänzenden Angebote und eine bessere Einbindung in das Wegenetz Verbesserungen. Er sollte über Angebote zur baulichen Erweiterung in das Konzept eingebunden werden und somit langfristig gesichert werden.

Wirkung

Die räumliche Nähe von Kindertagesstätte und Einzelhandel erleichtert Eltern den Alltag. Der Stadtteilplatz im Blockinneren ist bis auf den Freibereich von Kindertagesstätte und Pflegeheim öffentlich zugänglich. Über den geschützten Privatbereich vor dem Pflegeheim, der direkt in den öffentlichen Platz übergeht, können die Bewohner aktiv am Stadtteilleben teilnehmen.

Die qualitätsvolle Architektur unterstützt Begegnung, Kommunikation und Integration: Die Beibehaltung historischer Relikte und Anpassung der Gebäude an Umgebungsbebauung unterstützen die Identifikation mit dem Stadtteil. Die offene Architektur ermöglicht Kommunikation. Große Fenster zeigen, was in den Einrichtungen vor sich geht, beleben und erhöhen durch die nächtliche Beleuchtung das Sicherheitsgefühl. Die offene Halle wird zum Treffpunkt und erleichtert den Zugang zum Platz. Die Balkone des Betreuten Wohnens zum Stadtteilplatz hin lassen die Bewohner am öffentlichen Leben teilhaben.

Das Bürgerhaus wurde im Niedrigenergiehausstandard errichtet. Die Heizungsanlage ist eine Pellet-Nahwärmeversorgungsanlage, die das Bürgerhaus, die Kindertagesstätte, das Pflegeheim sowie das Betreute Wohnen gemeinsam versorgt. Ein Konzept für eine Solaranlage auf dem Bürgerhaus wurde von der Agendagruppe Solarprofit initiiert und mit erarbeitet, beim Umbau des Bürgerhauses wurden alle notwendigen Vorinstallationen bereits durchgeführt. Im Altenpflegeheim Pliensauvorstadt der Städtischen Pflegeheime Esslingen a. N. hat die ImmoTherm zur Versorgung des Pflegeheimes und des angrenzenden Areals Weilstraße, Uhlandstraße und Stuttgarter Straße ein CO2-neutrales Wärmeversorgungskonzept geplant und gebaut. Der Wärmebedarf für Heizung und Warmwasser wird über eine moderne, vollautomatische Holzpellet-Heizzentrale klimaschonend gedeckt. Er erfüllt somit die verschärften Umweltanforderungen.