Wilhelmsstift in Tübingen
Aus der Jury: „Mit wenigen sparsamen Eingriffen und Maßnahmen, ist es trotz aller Brüche gelungen ein stimmiges Ensemble zu schaffen – vom Freibereich bis hin zum Detail in den neuen alten Innenräumen.“
nominiert in der Sparte Bauen für Bildung und Forschung
Mitte in Tübingen wird die vierflügelige Klosteranlage aus dem 16. Jahrhundert seit mehreren Jahren kontinuierlich zu einer zeitgemäßen Ausbildungs- und Wohnstätte für Studierende umgebaut. Der Ostflügel der Anlage, der zuletzt in den 1970/80er Jahren im Stil der damaligen Zeit komplett erneuert worden war, wurde aktuell saniert. In der Bibliothek ist dabei der Rezeptionsbereich geöffnet worden. Neue Fenster und Fußböden sowie die Sanierung der Treppe lassen den Raum offener und freundlicher wirken. Außerdem wurden neue Arbeits- und Leseplätze eingerichtet. Der darüber befindliche zweigeschossige Trakt mit den Studierendenzimmern, die jeweils mit einem Betonerker mit Oberlicht zur Belichtung der Schreibtische ausgestattet sind, wurden weitgehend erhalten. Flure, Zwischenwände, Teeküchen und Sanitäranlagen wurden hingegen erneuert und farblich neugestaltet. Die Zimmer bekamen neue Böden und Möbel sowie einen hellen Anstrich. Das Entwurfsziel, die Qualitäten und Potenziale der bestehenden Bereiche aus unterschiedlichen Bauzeiten zu analysieren, um konzeptionell tragfähige Ableitungen für eine Versöhnung der entstandenen Brüche zu finden und zugleich die Lesbarkeit und das Erleben der verschiedenen Strukturen in den Innen- und Außenräumen zu verbessern, wurde gekonnt umgesetzt. Neue Teile wurden behutsam in den historischen Bestand eingefügt, sodass Einbauten und Materialien als zeitgenössische Elemente ablesbar bleiben.