Wittwer ist nicht fertig, Stuttgart Veranstaltung zum drohenden Abriss des Wittwer-Hauses
Grundsätzliche Fragen des Umgangs mit Bestand, der baukulturellen Bedeutung der Nachkriegsmoderne sowie der Rolle von Stadtöffentlichkeit und Gemeinwohl in aktuellen Transformationsprozessen
Aktionstag „Lange Tafeln der Baukultur" – Wittwer ist nicht fertig, Stuttgart.
Veranstalter: BDA (Bund Deutscher Architektinnen und Architekten) Baden-Württemberg
Bericht des BDA Stuttgart
"Am 19. Juni 2026 fand am Kleinen Schlossplatz in Stuttgart die „Lange Tafel der Baukultur“ im Rahmen der Initiative „Wittwer ist nicht fertig“ statt. Als Teil des bundesweiten Formats nahm die Veranstaltung den drohenden Abriss des Wittwer-Hauses zum Anlass, um grundsätzliche Fragen des Umgangs mit Bestand, der baukulturellen Bedeutung der Nachkriegsmoderne sowie der Rolle von Stadtöffentlichkeit und Gemeinwohl in aktuellen Transformationsprozessen zu verhandeln.
Teilnehmende:
Die als offenes, niedrigschwelliges Format im öffentlichen Raum angelegte Veranstaltung war mit rund 80 Personen sehr gut besucht und erhielt viel positive Resonanz. Erreicht wurde neben einem Fachpublikum aus Architektur, Stadtplanung und Forschung auch eine breitere Stadtöffentlichkeit. Anwesend waren u. a. Planerinnen und Planer, Architektinnen und Architekten, mehrere Stuttgarter Stadträtinnen und Stadträte, die Bezirksvorsteherin Mitte Veronika Kienzle sowie ein Vertreter des Ministeriums für Landesentwicklung und Wohnen BW. An den zwei moderierten Panels und dem anschließenden offenen Gesprächsteil beteiligten sich renommierte Fachleute, darunter Prof. Dr. Martina Baum und Prof. Dr. Christiane Weber (Universität Stuttgart), Oliver Elser (Deutsches Architekturmuseum Frankfurt / SOS Brutalism), Jan Theissen und Prof. Tobias Bochmann (BDA Stuttgart – Mittlerer Neckar), Sascha Bauer (Studio Cross Scale), Thomas Herrmann (AKBW), Claudia Kahl und Axel Pfaender (Brutalist Wednesdays) sowie Eckard Schütte (Architects for Future). Die Moderation übernahmen Alesa Mustar und Constantin Hörburger.
Themen des Austauschs:
Im Mittelpunkt standen der öffentliche Wert bestehender Bauten, Stadtgedächtnis und Identität, Ressourcen und Klimaverantwortung sowie die Verantwortung von Eigentümerschaft, Verwaltung, Politik und Fachöffentlichkeit im Umgang mit prägnanten Bestandsgebäuden. Das erste Panel widmete sich dem Wittwer-Haus als Teil von Stadtgedächtnis und öffentlichem Wert, das zweite den Perspektiven des Weiterbauens im Bestand.
Gewonnene Erkenntnisse:
Deutlich wurde, dass der Fall Wittwer weit über ein einzelnes Gebäude hinausweist und sich an ihm grundlegende Konflikte bündeln – zwischen Abriss-und Weiterbau-Logik, kurzfristiger Verwertbarkeit und langfristigem öffentlichem Wert, technischem Argument und baukultureller Bedeutung, privatem Eigentumsinteresse und gemeinschaftlicher Verantwortung für den Stadtraum. Ebenso wurde sichtbar, dass auch ein nicht denkmalgeschützter Bau hohe identitätsstiftende und erinnerungskulturelle Relevanz besitzen kann.
Vernetzungen und mögliche Folgeveranstaltungen:
Die Veranstaltung hat bestehende Netzwerke zwischen Fachöffentlichkeit, zivilgesellschaftlichen Initiativen, Institutionen und lokalen Akteurinnen und Akteuren gestärkt und neue Gespräche angestoßen. Daraus ergeben sich mögliche Folgeformate, insbesondere weitere öffentliche Diskussionen, vertiefende Beiträge im Wechselraum sowie eine fortgesetzte Auseinandersetzung mit dem Weiterbauen im Bestand und dem baukulturellen Wert der Stuttgarter Nachkriegsmoderne."